Direkt zum Inhalt
Elektriker.blog
Sanierung & Altbau

Elektroinstallation bei der Gebäudesanierung 2026

Elektroinstallation bei der Gebäudesanierung 2026
Elektroinstallation bei der Gebäudesanierung 2026

Wer ein Gebäude aus den 1960er, 1970er oder 1980er Jahren saniert, findet in der Regel eine Elektroinstallation vor, die mit den heutigen Anforderungen wenig gemein hat. Zweiadrige Leitungen ohne Schutzleiter, Schmelzsicherungen im Zählerschrank, keine FI-Schutzschalter, zu wenige Steckdosen pro Raum: Das sind keine Ausnahmen, sondern der Normalfall. Wer diese Mängel ignoriert, riskiert nicht nur Ärger mit Versicherungen und Gutachtern, sondern im Ernstfall auch seine Sicherheit.

Was der Gesetzgeber 2026 tatsächlich vorschreibt

Eine generelle gesetzliche Pflicht zur vollständigen Erneuerung der Elektroinstallation bei einer Sanierung gibt es in Deutschland nicht. Entscheidend ist aber, was die aktuell gültige VDE-Norm vorschreibt, sobald Eingriffe in die Elektroinstallation vorgenommen werden. Die zentrale Norm ist die DIN VDE 0100, die Errichtung von Niederspannungsanlagen regelt. Sobald Eigentümer neue Stromkreise anlegen, bestehende Leitungen ändern oder den Zählerschrank erweitern lassen, muss der gesamte geänderte Teil den aktuellen Normen entsprechen. Wer also im Rahmen einer Kernsanierung fünf neue Steckdosen in einem Zimmer verlegen lässt, kann nicht darauf bestehen, dass der Rest der alten Installation unangetastet bleibt, wenn dieser offensichtlich unsicher ist.

Hinzu kommen baurechtliche Anforderungen auf Länderebene: Einige Bundesländer verlangen bei einer energetischen Sanierung einen Mindeststandard auch für die Elektrik, wenn Fördermittel beantragt werden. Das betrifft vor allem Gebäude, die über die KfW oder das BAFA gefördert werden sollen.

Typische Schwachstellen im Altbau

Eine Elektroinstallation aus den 1970er Jahren wurde für einen Haushalt ausgelegt, der mit deutlich weniger elektrischen Geräten auskam. Heute laufen in einem Einfamilienhaus Wärmepumpe, Wallbox, Geschirrspüler, Waschtrockner, mehrere Computer und ein Heimkino gleichzeitig. Die alten Leitungsquerschnitte und Absicherungen sind dafür schlicht nicht dimensioniert.

  • Fehlender Schutzleiter: Zweiadrige Leitungen (Phase und Neutralleiter, kein PE) sind in Gebäuden vor 1973 häufig. Ohne Schutzleiter lässt sich kein FI-Schutzschalter sinnvoll einsetzen.
  • Keine FI-Schutzschalter (RCD): Seit der Überarbeitung der DIN VDE 0100-410 sind FI-Schutzschalter für nahezu alle Stromkreise Pflicht bei Neuinstallationen und Erweiterungen. Im Bestand existieren sie oft gar nicht.
  • Unterdimensionierte Absicherung: Viele Altbauten haben einen Hausanschluss mit 40 Ampere Hauptsicherung. Eine Wärmepumpe mit Wallbox und E-Herd bringt diesen Wert schnell an seine Grenzen.
  • Veraltete Installationsrohre: Stahlpanzerrohr oder offene Kabelkanäle aus Bakelit entsprechen weder optisch noch technisch dem heutigen Standard.
  • Zu wenige Stromkreise: Küche, Bad und Arbeitszimmer brauchen heute jeweils eigene Stromkreise, nicht einen für den halben Wohnbereich.

Planung: Zuerst den Ist-Zustand dokumentieren

Vor jedem Auftrag an einen Elektriker sollte eine Bestandsaufnahme stehen. Das bedeutet: Welche Leitungstypen sind verbaut, wo verlaufen sie, wie ist der Zählerschrank aufgebaut, und gibt es noch Originalunterlagen zur Elektroinstallation? Viele Eigentümer unterschätzen diesen Schritt. Ein erfahrener Elektriker kann in zwei bis drei Stunden ein Bild des Zustands erstellen, das als Planungsgrundlage dient und spätere Überraschungen minimiert.

Wer sich vorab einen Überblick über typische Sanierungsabläufe und Kostenpositionen verschaffen möchte, findet im Sanierungs Ratgeber strukturierte Informationen, die helfen, die eigene Situation einzuordnen, bevor man mit Fachbetrieben in Verhandlungen tritt.

Parallel dazu lohnt ein Blick auf die Fördersituation. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, BAFA, aktualisiert seine Förderrichtlinien regelmäßig. Für 2026 gilt: Maßnahmen zur Elektrosanierung sind in der Regel nur dann förderfähig, wenn sie im Zusammenhang mit einer energetischen Gesamtmaßnahme durchgeführt werden, etwa in Kombination mit einer Wärmepumpe oder Photovoltaikanlage.

Kostenrahmen und Zeitplanung

Die Kosten für eine vollständige Elektrosanierung eines Einfamilienhauses mit 120 bis 150 Quadratmetern liegen je nach Aufwand zwischen 8.000 und 25.000 Euro. Der große Spielraum erklärt sich dadurch, dass Stemm- und Verputzarbeiten, die Zahl der neuen Stromkreise und der Zustand der vorhandenen Leitungen enorm variieren. Wer nur den Zählerschrank erneuern lässt und neue RCDs einbaut, ist mit 1.500 bis 3.500 Euro dabei. Wer hingegen alle Leitungen herausreißen und neu verlegen lässt, bewegt sich am oberen Ende.

Zeitlich sollte man bei einer vollständigen Elektrosanierung eines Einfamilienhauses mit zwei bis drei Wochen Arbeitszeit rechnen, hinzu kommen Wartezeiten auf den Netzbetreiber, wenn der Anschluss verändert werden muss. Gerade in städtischen Ballungsräumen beträgt die Wartezeit auf Termine beim Netzbetreiber aktuell vier bis acht Wochen.

Smart Home, Wallbox und PV: Elektrik von Anfang an mitdenken

Eine Sanierung 2026, die die nächsten 20 Jahre halten soll, muss die absehbare technische Entwicklung einplanen. Konkret bedeutet das: Leerrohre für spätere Leitungen, ausreichend dimensionierte Zuleitungen für eine Wallbox (mindestens 11 kW, also 16 Ampere dreiphasig), ein Zählerschrank mit Platz für Energiemanagementsysteme und Wechselrichter sowie eine strukturierte Verkabelung für Netzwerk und Smart-Home-Komponenten.

Wer heute spart und nur das Nötigste macht, legt in fünf Jahren möglicherweise wieder los, wenn die Wallbox kommt oder die Photovoltaikanlage nachgerüstet wird. Jede Nachinstallation in einem bereits verputzten und gestrichenen Gebäude kostet ein Vielfaches der ursprünglichen Maßnahme.

Abnahme und Dokumentation nicht vergessen

Nach Abschluss der Elektroinstallation ist der ausführende Fachbetrieb verpflichtet, eine Prüfung nach DIN VDE 0100-600 durchzuführen und ein Prüfprotokoll auszustellen. Dieses Dokument ist kein bürokratisches Anhängsel, sondern Beweismittel gegenüber der Versicherung im Schadensfall. Wer es nicht hat, riskiert im Brandfall Schwierigkeiten bei der Regulierung.

Zusätzlich empfiehlt sich eine vollständige Revisionsdokumentation: Grundrisse mit eingezeichneten Leitungsverläufen, Stromkreisübersicht und Zählerschrankliste. Wer diese Unterlagen in digitaler Form aufbewahrt, spart beim nächsten Eingriff in die Elektrik erheblich Zeit und Kosten. Mehr zu Normen, Prüfpflichten und technischen Grundlagen bietet die Wikipedia-Seite zur Elektroinstallation als ersten Einstieg, bevor man sich in die Fachliteratur vertieft.

Kurzum: Die Elektroinstallation ist bei einer Gebäudesanierung kein Randthema, sondern eine der teuersten und folgenreichsten Einzelmaßnahmen. Wer sie frühzeitig plant, sorgfältig dokumentieren lässt und die technische Zukunft des Gebäudes mitdenkt, vermeidet kostspielige Nacharbeiten und sorgt für echte Wertsteigerung.

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Archives